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Freitag, 17. April 2015

SPD Goslar trauert um Günter Grass.




Günter Grass
  
                          *  16. Oktober 1927 in Danzig-Langfuhr
                          +  13. April 2015 in Lübeck


Die Sozialdemokratische Partei Deutschland hat in den letzten Tagen einen großen Freund verloren.
Günter Grass war nicht nur einer der  bedeutendsten Romanciers des 20. Jahrhunderts, nach Heinrich Böll der zweite deutsche Nobelpreisträger nach 1945, Lyriker und Dramatiker. Er schrieb auch Gedichte, war gelernter Steinmetz, studierte Bildhauerei und war als Illustrator, Maler und Bildhauer tätig.
Seine über 70 Werke wurden in 40 Sprachen übersetzt, und fast jeder hat als Schüler oder Student seine „Blechtrommel“, „Katz und Maus“, „Der Butt“ oder die “Hundejahre“ gelesen oder die Blechtrommel des Oskar Matzerath in der Verfilmung von Volker Schlöndorff mit Mario Adorf im Kino oder Fernsehen gesehen.
Die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte, an der er litt, die aber auch seine eigene Geschichte im 20. Jahrhundert war, hat das Werk von Günter Grass zeitlebens geprägt.
Zwischen ihm und der Bundesrepublik Deutschland gab es nie eine friedliche Koexistenz.
Er war Ehrenbürger seiner Geburtsstadt Danzig, politischer Kritiker und Wegbegleiter der Bundesrepublik Deutschland. Er kritisierte die Wiederbewaffnung und war ein Gegner der Atomenergie. Sein Werk war aber auch widersprüchlich. Er kritisierte die Atompolitik Israels und gestand in den späten Jahren, dass er als Jugendlicher in die Waffen-SS eingezogen wurde.

Günter Grass war auch Kritiker der deutschen Wiedervereinigung, die er für übereilt hielt. Sein Eintreten für eine gemeinsame deutsche Verfassung im Jahre 1990 verband ihn eng mit der Kritik der SPD in der Verfassungsdiskussion dieser Jahre.
Was Günter Grass aber für die Sozialdemokraten besonders als Freund ausmachte, war sein Engagement für die Kandidaten und die Parteiprogramme in den Wahlkämpfen Willy Brandts der 60er Jahre in West-Berlin bis zum Wahlkampf für Olaf Scholz Im Frühjahr 2015 in Hamburg.

Ich erinnere mich noch gut an seine Verteidigung Willy Brandts gegen den Hohn Adenauers für einen Exilanten, der nicht Bundeskanzler werden dürfe.
Günter Grass provozierte nicht nur im Deutschland Adenauers, er blieb bis zu seinem Tode im Jahre 2015 ein streitbarer Bürger. Es gab in den letzten 60 Jahren kaum eine Debatte in Deutschland, an der sich Günter Grass nicht beteiligte.
Die polnische Nachrichtenagentur PAP kondolierte,

„er war der Schriftsteller einer Stadt, in der deutsche und polnische Traditionen bestanden und einander nahe waren…mein Eindruck ist, dass das große Werk von Grass der Mythos der freien Stadt Danzig ist“…der Tod des Schriftstellers ist ein großer Verlust für die deutsche und die Weltliteratur, aber auch für die Einwohner Danzigs“(Stefan Chwin „Tod in Danzig“).

Peter Eckardt


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